Das Schlüsselwort des Fortschritts ist Vertrauen

Der Verein Smarter Thurgau hat sich zum Ziel gesetzt, der digitalen Transformation im Kanton Thurgau ein Gesicht zu geben. Digitalisierung wird für und mit Menschen gemacht – sie ist kein Selbstzweck. Dies muss man den Menschen bewusst machen und Vertrauen schaffen, davon ist auch unser Vorstandsmitglied Brigitte Häberli-Koller, Ständerätin in Bern, überzeugt.

Über Hansjörg Brunner, Unternehmer und Präsident vom Gewerbe Thurgau

Der Hinterthurgau ist Hansjörg Brunners Heimat. Beruflich in die Fussstapfen des Vaters getreten, führt er die Fairdruck AG in Sirnach, ein Druckereiunternehmen mit gut 25 Mitarbeitenden. Privat findet der Vater von zwei Söhnen seinen Ausgleich bei ausgiebigen Spaziergängen mit seiner Frau und Labrador Faro und beim leidenschaftlichen Mitfiebern auf dem Letzigrund für seinen FC Zürich.

Digitalisierung im Geschäftsalltag breit angekommen

Nach Hansjörg Brunner ist Digitalisierung in allen Branchen möglich und er stellt klar hervor, dass Digitalisierung unterstützen und helfen soll, sie aber kein Allheilmittel ist. „Digitalisierung bedeutet Zeitersparnis: Sie hilft schneller zu reagieren, beispielsweise bei der Disposition und der Logistik, indem Vorgänge direkt auf den LKW übermittelt werden.“ In Thurgauer Unternehmen seien schon heute alle möglichen Tools vorhanden. Diese könnten allerdings intensiver genutzt werden, so Brunner.

„Als fast schon normal“ bezeichnet er Videokonferenzen. „Sie gelangen heute problemlos zur Anwendung, denn Corona hat uns gezwungen, dieses digitale Instrument zu nutzen. Die anfänglichen Schwierigkeiten, oft hat es eine Stunde gedauert, bis alles online eingerichtet war, sind längst ausgeräumt; da haben wir riesige Fortschritte gemacht!“ Hansjörg Brunner ist sich sicher, dass auch nach Covid-19 die Bereitschaft zum digitalen Austausch via Videokonferenzen bestehen bleibt. „Videokonferenzen sind heute breit akzeptiert. Sie machen die eine oder andere Geschäftsreise überflüssig. Das spart Zeit und Kosten. Ich gehe deshalb davon aus, dass man kaum auf den Stand vor Covid-19 zurückgehen wird.“ Für den Druckereiunternehmer Brunner ist Papier unverzichtbar. Zum Schmunzeln bringt ihn der immer noch vereinzelt praktizierte Kommunikationsaustausch von Schweizer Ämtern via Fax aber doch: „Faxen ist nicht mehr zeitgemäss, da wundert man sich schon, dass Bundesämter immer noch ein Faxgerät benutzen.“

Dagegen sei die Bereitschaft für Sharepoint-Lösungen und der Einsatz digitaler Assistenten in verschiedenen Sektoren eher noch zurückhaltend, schätzt Herr Brunner. „Jedoch lange nicht so ausgeprägt wie vor der Pandemie. Die Betriebe sehen die Potentiale immer mehr und sie sind auch bereit zu investieren.“

Digitalisierung als Weiterbildungsthema

Den grössten Nachholbedarf für die Unternehmer sieht er, selbst Unternehmer, in der Gestaltung der Weiterbildung von älteren Mitarbeitenden. „Schule und Berufsausbildung sind immer mehr digitalisiert, die Jungen lernen das von Kindsbeinen an. Doch bei vielen älteren Mitarbeitenden besteht grosser digitaler Nachholbedarf. Kleine, interne Schulungen in Modulen von ein bis zwei Stunden könnten da weiterhelfen. Denn es reicht nicht, einfach ein Tablet in die Hand gedrückt zu bekommen.“ Hansjörg Brunner vertritt die Meinung, dass Ausbildungszentren in den Regionen und die direkte Ansprache durch die jeweiligen Branchenverbände die oft vorhandene Hemmschwelle bei der Teilnahme an einem Kurs reduzieren würde. Ausschlaggebend für den Erfolg von Weiterbildungskursen seien ein praxisbezogener Lernstoff, bei dessen Anwendung Ergebnisse sofort ersichtlich sind.

Stichwort 5G

Befürworten Sie den Ausbau mit 5G? „Ja, natürlich! 5G ist unerlässlich, um unsere Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Ausland zu bewahren. Unsere primäre Aufgabe sehe ich darin, eine Mehrheit für 5G zu gewinnen. Ein Grossteil der Schweizerinnen und Schweizer findet 5G gut – zu hören und zu sehen ist aber oft nur die Gegnerschaft.“

Niederschwellige Angebote für die Wirtschaft

Als Vorstandmitglied sieht Herr Brunner die Hauptaufgabe des Vereins Smarter Thurgau darin, die Thurgauer Wirtschaft niederschwellig abzuholen. Zentral dabei sei, die Gewerbler in ihrer Sprache anzusprechen. Der Verein müsse rüberbringen, welche speziellen Vorteile Digitalisierung für die jeweilige Branche mit sich bringe. Herr Brunner ergänzt: „Die meisten Thurgauer Unternehmen haben im Durchschnitt rund zehn Mitarbeitende. Sie sind das Hauptpotential des Vereins Smarter Thurgau, denn immer noch sind viele Kleinunternehmer nicht an digitalen Angeboten oder der Teilnahme an Fortbildungskursen interessiert.“ Darunter befänden sich auch diejenigen Unternehmen, die wegen Corona ums nackte Überleben kämpfen. Für diese hat Herr Brunner Verständnis. „Sie haben jetzt verständlicherweise andere Sorgen, als sich um Fortbildungskurse für ihre Mitarbeitenden oder Digitalisierungsangebote zu kümmern. Bei einem Grossteil der Firmen laufe dagegen das Geschäft nach wie vor gut. Bei ihnen herrsche die Einstellung: Es läuft ja alles bestens, wir brauchen keine Weiterbildung oder einen Austausch. Teilweise herrsche auch einfach Unsicherheit, ob Digitalisierung eine gute Sache ist und sie sich für einen lohnt. Hansjörg Brunners Erfahrung ist, dass im Kanton Thurgau alles ein bisschen Zeit braucht, bis etwas anläuft, dafür dann aber richtig! Es brauche immer Pioniere, die ihre positiven Erfahrungen weitergeben. „Spätestens dann wird’s wie von selbst laufen“, zeigt sich der Thurgauer Gewerbeverbandspräsident optimistisch.

Weitere Auskünfte

Weitere Informationen finden Sie auch auf der Webseite von Hansjörg Brunner: